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Die Hypothek des Krieges

Eine soziologische Studie zu den sozialen Effekten von Kriegen und zur Reintegration von Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen in Bosnien-Herzegowina

 

Benjamin Bieber: »Die Hypothek des Krieges. Eine soziologische Studie zu den sozialen Effekten von Kriegen und zur Reintegration von Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen in Bosnien-Herzegowina«, Socialia — Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Bd. 81, Verlag Dr. Kovač, Hamburg (März) 2007, 706 Seiten

 

Kriege erzeugen Verluste, sie haben langfristige soziale, psychische und ökonomische Auswirkungen - sei es weil man seine Angehörigen, sei es weil man seine Gliedmaßen, sei es weil man seine Würde verlor. Jeder Mensch, den der Krieg versehrt hat, sehnt sich das Ende des Krieges herbei - und doch sind es gerade die Opfer, die in einer Nachkriegsgesellschaft wohl am vehementesten dafür streiten, daß der Krieg nicht in Vergessenheit gerate. Der eine Teil analysiert die sozialen Folgen von Kriegen mittels verschiedener sozialer Problemindikatoren. Der andere Teil besteht aus einer Fallstudie zur sozialen Situation und Reintegration von Witwen, Waisen, Veteranen und Kriegsinvaliden in Bosnien-Herzegowina.

Soziale Problemindikatoren nach Kriegen und Katastrophen

Finden die, die den Krieg gekämpft haben, wieder einen Platz im Zivilleben oder werden sie zu entfremdeten Außenseitern? Was unternimmt der Staat, um ihnen den »Weg zurück« (Remarque) in die Gesellschaft zu zeigen? Flüchten sie sich in Selbstmord, versuchen sie ihre Erinnerung mit Alkohol oder Drogen zu betäuben, richten sie ihre im Krieg »erlernte« Gewalt nun gegen die eigene Familie, werden sie kriminell? Welche psychischen und gesundheitlichen Probleme legen sie an den Tag? Welchen Niederschlag hat der Krieg auf private Beziehungen, auf das Heirats- und Scheidungsverhalten? Sowohl historische wie auch aktuelle Fälle finden hier Beachtung - der Erste und Zweite Weltkrieg ebenso wie der Vietnam-, Irak-, Kroatien- und Bosnien-Krieg. Und: auch für die Gesellschaft in Deutschland sind diese Probleme nicht mehr nur historische - mit welchen Problemen sind Bundeswehr- und UN-Soldaten nach ihrem Einsatz konfrontiert?

Die soziale Reintegration von Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen in Bosnien-Herzegowina

Über ein Jahrzehnt ist inzwischen vergangen, daß der Krieg durch das Abkommen von Dayton Ende 1995 beendet wurde. Doch: auch im zweiten Nachkriegsjahrzehnt sind die Folgen des Krieges in Bosnien noch immer allgegenwärtig. Allerdings entziehen sich die Folgen des Krieges oftmals der Sichtbarkeit: die Schlaflosigkeit der Veteranen, das Schweigen der Invaliden, wenn sie nicht über ihre Leiden sprechen, die Trauer der Hinterbliebenen. Folgenden Fragen geht diese Studie u.a. nach: Werden Kriegstraumata adäquat behandelt, gibt es eine Gesundheitsversorgung für die Betroffenen? Werden arbeitslosen Veteranen Umschulungen angeboten? Welche soziale Sicherheit wird hinterbliebenen Frauen und Kindern geboten? Welche Anstrengungen unternehmen Staat und Wirtschaft um die, die am Ende der sozialen Skala leben, zu integrieren? Was hält die sozial noch immer geteilte bosnische Gesellschaft »im Innersten« zusammen? Welchen Einfluß hatte der Krieg auf die sozialen Beziehungen der Veteranen, der Hinterbliebenen, der behinderten Soldaten? Welche Rolle spielt die soziale Unterstützung der Familie bei der Bewältigung des Kriegstraumas? Wieviel, worüber und mit wem kommunizieren sie, wenn sie über den Krieg sprechen? Wie leben die, die nach Srebrenica, dem Inbegriff der humanitären Katastrophe inmitten Europas, zurückgekehrt sind? Welchen Alltag haben die überlebenden Frauen und Männer in den Flüchtlingscamps, die es auch heute noch, zumeist am Stadtrand, gibt? Sinnen die Opfer nach Rache oder sind sie vielmehr Motor für gesellschaftliche Aussöhnung? Um den vielfältigen Spuren des Krieges in Bosnien-Herzegowina nachzugehen, stützt sich diese Untersuchung auf zahlreiche Forschungsaufenthalte, eigene Erhebungen und Interviews. Ein Schwerpunkt der Feldforschung liegt im Kanton Tuzla sowie der Podrinje-Region im Osten Bosniens.


Inhalt

 

1.

Prolog

S.

1

2.

Inhaltlicher Aufbau, Fragestellungen und wissenschaftliches Vorgehen der Untersuchung

S.

5

 

2.1.

Inhaltlicher Aufbau und Fragestellungen

S.

5

 

2.2.

Vorgehen der Untersuchung

S.

8

 

 

2.2.1.

Fragebogenerhebung

S.

9

 

 

2.2.2.

Interviews

S.

12

 

 

2.2.3.

Ortstermine

S.

13

 

 

2.2.4.

Bemerkungen zur Datenlage

S.

14

3.

Das Interesse der Soziologie an Kriegen und Katastrophen

S.

15

 

3.1.

Integrierende und desintegrierende Effekte von Katastrophen

S.

21

4.

Soziale Problemindikatoren nach Kriegen

S.

35

 

4.1.

Suizide nach Kriegen und Katastrophen

S.

37

 

 

4.1.1.

Suizidentwicklung bei Verwitwung

S.

38

 

 

4.1.2.

Suizidentwicklung bei Soldaten und Veteranen

S.

39

 

 

4.1.3.

Suizide im Zuge des Falklandkrieges

S.

43

 

 

4.1.4.

Die Suizidentwicklung im Zuge der sog. Operation Iraqi Freedom

S.

44

 

 

4.1.5.

Die Suizidentwicklung im Zuge des Vietnamkrieges

S.

46

 

 

4.1.6.

Die Suizidentwicklung bei deutschen Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg

S.

47

 

 

4.1.7.

Die Suizidentwicklung bei UN Truppen und der Healthy Soldier-Effekt

S.

52

 

 

 

4.1.7.1.

Exkurs: Der Cycle of Violence

S.

54

 

 

 

4.1.7.2.

Suizide beim DutchBat-Kontingent

S.

56

 

 

4.1.8.

Die Suizidrate bei Naturkatastrophen

S.

56

 

 

 

4.1.8.1.

Die Suizidrate beim Chi Chi-Erdbeben in Taiwan

S.

57

 

 

 

4.1.8.2.

Die Suizidrate beim Kobe-Erdbeben in Japan

S.

58

 

 

4.1.9.

Die Suizidrate im Kroatien-Krieg

S.

59

 

 

4.1.10

Zusammenfassung und Kritik

S.

64

 

4.2.

Alkoholismus, Nikotin- und Drogengebrauch in und nach Kriegen

S.

66

 

4.3.

Kriminalität und aggressives Verhalten nach Kriegen

S.

81

 

4.4.

Soziale Probleme in Ehe- und Familie

S.

102

 

 

4.4.1.

Sexuelle Störungen und diesbezügliche soziale Probleme bei Veteranen

S.

110

 

4.5.

Medizinische und soziale Problemlagen nach Kriegen

S.

115

 

 

4.5.1.

Kritik an der PTSD-Diagnostik

S.

135

 

4.6.

Sozioökonomische Problemlagen nach Kriegen

S.

141

 

4.7.

Exkurs: historische Aspekte der Kriegsinvalidenversorgung

S.

148

5.

Die soziale Reintegration von Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen in Bosnien-Herzegowina

S.

157

 

5.1.

Bosnien-Herzegowina, zehn Jahre nach dem Krieg

S.

157

 

 

5.1.1.

Politische Rahmenbedingungen

S.

165

 

 

5.1.2.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

S.

168

 

 

5.1.3.

Sicherheitspolitische Aspekte und internationale Kontrolle

S.

169

 

 

5.1.4.

Das bosnische Staatsbürgerschaftsbewußtsein

S.

173

 

 

5.1.5.

Demographische Entwicklung

S.

176

 

 

5.1.6.

Bosnien-Herzegowina: ein historischer Überblick

S.

179

 

 

5.1.7.

Die rechtliche Verfolgung von Kriegsverbreche(r)n

S.

184

 

 

5.1.8.

Belgrads ‚My Lai‘? — das Videotape über die Exekutionen von Trnovo

S.

188

 

 

 

5.1.8.1.

Ortstermin: Mannheim, bosnisches Kulturzentrum Ljiljan

S.

193

 

5.2.

Srebrenica, 11. Juli 1995. Europas Menetekel

S.

196

 

 

5.2.1.

„Okay, unternehmen Sie lieber gar nichts“DutchBat und die Folgen

S.

197

 

 

5.2.2.

Ortstermin: Srebrenica - oder: „Wer hierhin zurückkehrt, der ist verrückt!“

S.

204

 

 

5.2.3.

Tuzla, 11. Dezember 2004

S.

227

 

 

5.2.4.

Potočari, 11. Juli 2005

S.

230

 

 

5.2.5.

Ortstermin: Camp Mihatovići

S.

232

 

 

5.2.6.

Ortstermin: Camp Živinice

S.

238

 

 

5.2.7.

Ortstermin: Camp Špionica

S.

241

 

 

5.2.8.

Flucht, Rückkehr und Wohnungsprobleme

S.

254

 

5.3.

Opfer von Folter und Gefangenschaft

S.

261

 

5.4.

Opfer von Landminen

S.

268

 

 

5.4.1.

Das Landminenproblem in Bosnien-Herzegowina

S.

270

 

5.5.

Die soziale Reintegration der Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen

S.

275

 

 

5.5.1.

Soziale Situation und staatliche Versorgung der tri kategorije

S.

289

 

 

 

5.5.1.1.

Das Gesetz über die Rechte der Veteranen, Invaliden und ihrer Familien

S.

331

 

 

5.5.2.

Ortstermin: Brčko

S.

339

 

 

5.5.3.

Ortstermin: Gradačac

S.

344

 

 

5.5.4.

Ortstermin: Kalesija

S.

347

 

 

5.5.5.

Ortstermin: Lukavac

S.

350

 

 

5.5.6.

Ortstermin: Tuzla

S.

351

 

 

5.5.7.

Ortstermin: Banovići

S.

356

 

 

5.5.8.

Ortstermin: Živinice

S.

371

 

 

5.5.9.

Ortstermin: Zenica, Verband der Paraplegiker

S.

380

 

 

5.5.10.

Kriegsblinde als besonders betroffene Kriegsinvaliden

S.

384

 

 

5.5.11.

Die ökonomische Lage der Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen

S.

392

 

 

5.5.12.

Die Gesundheitsversorgung der Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen

S.

420

 

 

 

5.5.12.1.

Psychische Problemlagen

S.

434

 

 

5.5.13.

Die Kriegsinvaliden und der Behindertensport

S.

460

 

 

 

5.5.13.1.

Ortstermin: Zenica, Invalidensportclub

S.

461

 

 

 

5.5.13.2.

Ortstermin: Čelić

S.

463

 

 

5.5.14.

Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebene in der Öffentlichkeit

S.

464

 

 

5.5.15.

Die Retrospektive auf die eigene Kriegsteilnahme und den Krieg

S.

482

 

 

5.5.16.

Soziale Unterstützung nach dem Krieg

S.

504

 

 

 

5.5.16.1.

Die Bedeutung sozialer Netzwerke nach Kriegen und Katastrophen

S.

529

 

 

 

5.5.16.2.

Soziale Verantwortung als Faktor der Salutogenese

S.

547

 

 

5.5.17.

Krieg, Katastrophe und Kommunikation

S.

554

 

 

5.5.18.

Religion in und nach Kriegen und Katastrophen

S.

578

 

 

5.5.19.

Persönliche Umgangsformen mit Kriegsfolgen

S.

583

 

 

5.5.20.

Die Haltung zur Nation nach dem Krieg

S.

588

 

 

5.5.21.

Versöhnung oder Rache? Die Sicht auf den Kriegsgegner

S.

593

 

 

 

5.5.21.1.

Gemeinsamkeiten mit dem Kriegsgegner

S.

610

 

 

 

5.5.21.2.

Zeit als Faktor der Normalisierung nach Kriegen

S.

619

 

 

5.5.22.

Das Paradox der Ungewißheit. Die Suche und Identifizierung von Vermißten

S.

620

6.

Epilog

S.

629

7.

Kriegsinvaliden-, Veteranen- und Hinterbliebenenschutzgesetz der Föderation Bosnien-Herzegowina vom 11. Juni 2004

S.

633

8.

Gesetz des Tuzla-Kantons vom 30. Mai 2002 über die Zusatzrechte der Veteranen, Invaliden und ihrer Familienangehörigen

S.

651

9.

Danksagung

S.

661

10.

Literaturverzeichnis

S.

663

11.

Register

S.

679

12.

Abbildungsverzeichnis

S.

687

 

Textfeld: Links & weitere Informationen

Textfeld: Benjamin Bieber: »Die Hypothek des Krieges. Eine soziologische Studie zu den sozialen Effekten von Kriegen und zur Reintegration von Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen in Bosnien-Herzegowina«, Hamburg 2007
 
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•	PTSD/ PTBS
•	Veteranenorganisationen
•	Suizide/ Selbstmorde nach Kriegen und Katastrophen
•	Alkoholismus, Nikotin- und Drogengebrauch in und nach Kriegen
•	Kriminalität und aggressives Verhalten nach Kriegen/ Domestic Violence
•	Soziale Probleme in Ehe- und Familie
•	Sexuelle Störungen und diesbezügliche soziale Probleme bei Veteranen
•	Medizinische und soziale Problemlagen nach Kriegen

 

Textfeld: RezensionTextfeld: »Nicht nach den Kräften, welche eine Gesellschaft auseinander treiben, sondern nach denjenigen, die für ein langsames, erneutes Zusammenwachsen sorgen, wird in dieser Studie gefragt: Wie gehen Gesellschaften um mit der sozialen Hypothek des Krieges? Eine erhebliche Forschungslücke wird speziell der deutschen Soziologie für den gesamten Bereich der Kriegs- und Katastrophenfolgenforschung attestiert. Folglich wird bei der Benennung der Problemindikatoren auf Ergebnisse unterschiedlichster anderer Disziplinen zurückgegriffen, etwa aus Medizin und Psychologie: Die Entwicklung unterschiedlichster Phänomene infolge natürlicher wie kriegerischer Katastrophen, von der Suizidrate über sexuelle Störungen bis hin zur Nikotinabhängigkeit, wird anhand von Beispielfällen ausführlich dargestellt. Im Hauptteil der Arbeit wendet der Autor die zuvor vorgenommene Operationalisierung auf das Beispiel und den empirischen Gegenstand seiner Studie an: Die Kriegsfolgen in Bosnien-Herzegowina und hier speziell die Anstrengungen zur gesellschaftlichen Wiedereingliederung von Veteranen, Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen. Wie wird also in Anbetracht der anhand der Problemindikatoren zuvor operationalisierten sozialen Hypothek des Krieges versucht, die Wunden zu heilen? Umfang und Detailtiefe führen zu einer Vielzahl von Ergebnissen, wobei der Autor gleichzeitig auch die Grenzen des zweifellos verdienstvollen Versuchs der detaillierten Auseinandersetzung offen anspricht: Die Annahme von massenhaften individuellen Traumata und die Herausforderung, die diese für das soziale Umfeld darstellen, schließt notwendigerweise eine Dunkelziffer ein. Dennoch kommt er abschließend zu einem interessanten Ergebnis: Die Tatsache, dass nach Ende des Krieges fast jegliche Form von Racheakten unterblieben ist, wertet er als Ausdruck eines besonders zivilisierten Zuges der Bevölkerung, der die Integrationsmaßnahmen zumindest erleichtert habe. Gleichzeitig wirft diese Feststellung implizit eine weiterführende Frage auf: Welchen Einfluss hat die gesellschaftliche Kultur auf die Möglichkeit von Maßnahmen zur Reintegration?«
Quelle:  Zeitschrift für Politikwissenschaft, ZPol, 2. April 2008

 

 

 

 

 

© Forschungsgruppe Bosnien, Stand: 02.06.2010 03:39:22, Redaktion: Dr. Benjamin Bieber

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