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Landstraße
Doboj – Bosanski Brod, April 2008: Aufnahmen aus einer Geisterlandschaft. |
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von Dr. Benjamin Bieber und
Amira Bieber, M.A. |
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Bosnien-Herzegowina, April 2008: Nein,
aussteigen möchte man hier wirklich nicht. Es ist wieder einer dieser
schönen Sonnentage im April, deren Abendstimmung gänzlich
konterkariert wird durch das, was man hier zu sehen bekommt.
Wir schreiben das
Jahr 2008, vor fast 13 Jahren besiegelte das Abkommen von Dayton das Ende des
Krieges in Bosnien-Herzegowina.
Wir fahren die Strecke zwischen Doboj und Bosanski Brod
auf dem Rückweg von einem humanitären Transport mit den Maltesern.
Die Strecke gleicht einer Geisterstrecke.
Fast sinnbildlich wächst hier das
‚Gras über die Sache’, irgendwann werden die zerstörten
Häuser ganz von Flora und Fauna überwuchert sein.
Diese Bilder versetzen uns noch einmal
einen ‚Schlag’, der uns einmal mehr daran erinnert, was in diesem
Land in den 90er Jahren passiert ist.
Diese Häuser sind nicht einfach
‚Zufallstreffer’ bei einem Granatangriff gewesen. Das war
planmäßige Ausrottung. An einem der Häuser findet man noch
immer die aufgemalten haßerfüllten Parolen von damals.
Wir fahren an einem Straßenschild
vorbei, auf dem noch immer Srpski
Brod zu lesen ist. Den Zusatz ‚Srpski’ bekam die Stadt im Zuge
des Krieges um den eigentlichen Namen Bosanski Brod zu ersetzen. Obwohl
das Verfassungsgericht am 27.
Februar 2004 mit der Entscheidung U44/01 den Zusatz ‚Srpski’
verboten hatte, wurde das Verkehrsschild bis jetzt noch immer nicht
ausgetauscht.
Es gibt viele solcher Geisterstrecken in
Bosnien-Herzegowina. Fährt man aus Kalesija raus und über Lopare
nach Čelić, dann bietet sich ein ähnliches Bild, ebenso wie
auf der Strecke von Zvornik nach Srebrenica.
Das, was sich hier abgespielt hat, fand
unter dem euphemistischen Terminus »ethnische Säuberung«
Eingang in die Annalen des Völkermords.
Wie oft redet man selbst gerne davon,
daß der Balkan sich doch irgendwie auf dem Weg nach Europa befinde
…
… wenn man diese Strecken
entlangfährt, dann vergeht einem der Sinn nach solch einer Rhetorik. Das jedenfalls ist nicht der Weg nach Europa.
Und: wenn der Krieg schon die Häuser
so zurückgelassen hat, wie durchlöchert, ja: wie kaputt muß
erst die dazugehörige Gesellschaft aussehen?
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© Forschungsgruppe Bosnien,
Stand: 22.06.2010 21:10:42, Redaktion: Dr. Benjamin
Bieber |
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